Gemeinde Frankenhardt

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Frankenhardt informiert

Biers Stahlkopf an gut sichtbarem Ort

Zum offiziellen Einweihungsakt versammelten sich Mitglieder des aktuellen wie alten Frankenhardter Gemeinderats vor der Skulptur „Anima – Animus“ von Wolfgang Bier. Sie steht mittlerweile am beschlossenen und geplanten Ort in der Nähe der Tiefensägmühle.

Wenn man von Hellmannshofen am Reishof vorbei Richtung Honhardt weiterfährt, kann man auf der rechten Seite zwischen Bäumen an der Schräge einer Anhöhe die Skulptur „Anima – Animus“ von Wolfgang Bier sehen. Seit kurzem ist an der kleinen Straße Richtung Tiefensägmühle von der Gemeinde nun auch eine Tafel aufgestellt worden, auf der beschrieben wird, wer der Künstler war, und um was es bei diesem letzten, 1998 entstandenen Werk von ihm geht.

Die Tafel, darauf wies Bürgermeister Jörg Schmidt beim offiziellen Einweihungsakt hin, sei mit Hilfe der Frankenhardter Bürgerstiftung gefördert worden. Derzeitige Gemeinderatsmitglieder und ebenso frühere, die noch über den Standort mit entschieden hatten, erfuhren im Rückblick von Schmidt, dass die Gemeinde die Plastik 2018 von Biers zweiter Ehefrau Gabi Welters erworben hatte. Sie hatte einige Zeit in Appensee gewohnt. Mittlerweile sei sie, so Schmidt, nach Aachen zurückgekehrt, wo sie an der dortigen Fachhochschule studiert und Bier als Dozent kennengelernt hatte.

Sie wäre gern gekommen, habe aber um Verständnis gebeten, dass sie den weiten Weg nicht mehr so ohne weiteres zurücklegen könne. Sie freue sich aber, so Bürgermeister Schmidt, der ihr und allen Beteiligten seinen Dank ausgesprochen hatte, dass die Gemeinde nun einen Standort für die Skulptur gefunden habe.

Zu den Beteiligten zählten neben dem Gemeinderat auch der für Sockel und Transport zuständige Bauhof sowie die drei in der Gemeinde lebenden Kunstexperten: Marinela Seitz, Dr. Helga Steiger und Manfred Koch. Sie skizzierten in drei kurzen Vorträgen noch einmal die Bedeutung von Wolfgang Bier und seiner Skulptur und seines Werks sowie die vereinte Standortsuche im Auftrag der Gemeinde.

Manfred Koch unterstrich: „Mit dieser Plastik, das möchte ich betonen, nennt die Gemeinde Frankenhardt ein bedeutsames Werk von Wolfgang Bier ihr Eigen. Es war das letzte Kunstwerk, das er vor seinem frühen Tod im Jahr 1998 geschaffen hat.“ Koch ordnete Bier als einen der „bedeutsamsten Bildhauer“ ein, „die in der Region Hohenlohe in den letzten Dekaden lebten und leben und weit über die Region hinaus große Beachtung finden“.

Der 1943 in Mährisch Trübau geborene Bier flüchtete mit seiner Familie nach Waiblingen. Er studierte an der Kunstakademie Stuttgart und an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Seit 1974 war er freischaffend tätig und lebte zuerst mit seiner ersten Ehefrau Gerda Bier in Gunzach in der Gemeinde Fichtenau. Von 1987 bis 1998 hatte er eine Professur für Bildhauerei an der FH Aachen inne.

Koch zitierte Gabi Welters: „Wolfgang Bier war ein hintergründiger, philosophisch denkender Mensch. Verletzlichkeit, Schutz und vor allem Angst waren die Themen seiner künstlerischen Arbeit, die er meist über den Gegenpol, die Gewalt, vermittelte.“ Dabei habe er sich mehr und mehr mit dem menschlichen Kopf beschäftigt und selbst darüber geäußert: „Ich mache meistens Köpfe. Denn im Kopf, am Kopf, im Gesicht, in dessen Bewegungen und Zuckungen entsteht das, widerspiegelt sich das, was die Menschen so faszinierend macht. So bewundernswert, geheimnisvoll, unverständlich, widersprüchlich, grauenhaft.“

Dr. Helga Steiger verwies darauf, dass Biers Vorfahren Messerschmiede gewesen seien. Dies und seine Fluchtbiografie als Kleinkind dürften wohl auch seine Kunst beeinflusst haben. Sie zeigte den Anwesenden verschiedene Beispiele von Biers Kopf-Skulpturen. Bier habe seine Köpfe aus Materialien zusammengeschweißt und -genietet, oft auch deformiert.

Die meisten Kopf-Plastiken gewährten keinen Blick nach innen. Anders sei dies bei der Skulptur „Anima – Animus“. Hier werde das männliche, aggressivere Element mit der Granate im Stirnbereich gezeigt, dem die weibliche und ruhende Kugel im Hinterkopf gegenüberstehe.
Marinela Seitz stellte noch einmal die gemeinsame Suche nach einem geeigneten Standort dar. Alle drei seien sie schnell wegen der „Wucht der Figur“ von zentralen Plätzen in der Gemeinde abgekommen. In Frage kamen am Ende drei: an der Ortseinfahrt von Gründelhardt, in Appensee selbst, gewissermaßen dokumentarisch, oder eben am jetzigen Standort, für den sich der Gemeinderat am Ende entschieden hatte. Hier sei das Werk präsenter als etwa in Appensee und sorge für Aufmerksamkeit und Gespräche.

Bürgermeister Jörg Schmidt bedankte sich bei den drei Kunstexperten genauso wie bei den Bauhofmitarbeitern und bei den Gemeinderäten. Der Vorgang der Auswahl des Standorts mit Diskussion im Gemeinderat sei ein Beispiel für gelebte Demokratie.

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